Gegen Ende des Jahres 2007 erfuhr ich aus den üblicherweise recht gut informierten Kreisen, dass es sein könnte, dass der Fraunhofer SIT Smart Card Preis 2008 an Wolfgang Effing, Klaus Finkenzeller und mich geht. Diese Information stellte sich dann einige Wochen später tatsächlich als richtig heraus. Meine Freude über diese tolle Auszeichnung war riesig, was man auf dem folgenden Bild vom Abend der Preisverleihung (hoffentlich) auch sieht. Der kleine Mensch in der Mitte mit den wenigen Haaren bin ich, links steht Klaus Finkenzeller und der große rechts ist Wolfgang Effing.

Der SmartCard-Preis ist weltweit der wichtigste Preis auf dem Gebiet der Chipkarten-Technik und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt (www.sit.fraunhofer.de) hat aufgrund der langjährigen Forschungsarbeit auch einen hervorragenden Ruf auf diesem Fachgebiet. So arbeitete ich beispielsweise vor mittlerweile 18 Jahren bei der Entwicklung der ersten STARCOS-Karten eng mit dem Vorgängerinstitut, der GMD (Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung), zusammen. Nebenbei erwähnt – STARCOS war das erste Multiapplication-Betriebssystem für Chipkarten.

Der SmartCard-Workshop (www.smartcard-workshop.de), seit 1991 jährlich veranstaltet, ist die bedeutendste deutsche Veranstaltung auf dem Gebiet der SmartCard-Technologie. Der zweitägige Workshop findet immer Anfang Februar in Darmstadt statt. Diesmal fiel er auf den Faschingsdienstag, was nur etwa alle hundert Jahre der Fall ist. Der Preis wurde an uns drei am 5. Februar 2008 auf dem Fraunhofer-SmartCard-Workshop in Darmstadt von Bruno Struif und Michael Hegenbarth für herausragende Fachliteratur überreicht. Die beiden hielten ebenfalls die Laudatio. Den Preis, einen 1,5 kg schwerer Bronzekopf , kann man im folgenden Bild sehen.

Wie jedes Jahr gab es auch ein "Mitgebsl" an die Teilnehmer des Workshops. Wir haben uns dafür etwas ganz spezielles einfallen lassen, das vom grafischen Layout und selbstverständlich auch technisch eine echte Besonderheit ist. Es handelt sich dabei um eine Chipkarte mit Multitasking-Betriebssystem sowie einen integrierten Web-Server, die einen direkten USB-Anschluss hat. Diese Karte kann direkt und ohne ein zwischengeschaltetes Terminal mit der USB-Buchse eines PCs verbunden werden. Sie startet dann automatisch den Web-Browser auf dem PC und versorgt diesen mit HTML-Seiten vom Web-Server der Chipkarte. Anschließend kann sich der Benutzer im Browser verschiedene Dokumente ansehen und über einen Link eine Verbindung zu einem Server im Internet herstellen. Nach einer Authentisierung mit der Chipkarte und dem Aufbau einer SSL/TLS-gesicherten Verbindung kann sich der Benutzer anschließend eine personalisierte Datei mit dem Handbuch der Chipkarten und dem RFID-Handbuch herunterladen. Dieses Mitgebsl kam bei den über 140 Teilnehmern des SmartCard Workshops sehr gut an, stellt es doch eine gute Demonstration dessen dar, was mittlerweile mit Chipkarten möglich ist. Der Produktname dafür ist im übrigen "Internet-Smart Card" und es wird von Giesecke & Devrient entwickelt und hergestellt.

Die grafische Gestaltung der Chipkarte sollte von links nach rechts den Werdegang der Sicherheitstechnik symbolisieren. Am Anfang wurden wertvolle Güter von Fabeltieren, wie beispielsweise einem Greif bewacht. Dieser ist ganz links auf der Karte zu sehen. Mit verfügbar werdenden hochwertigen Drucktechnologien bildete man solche Fabeltiere manchmal in speziellen Drucktechniken, wie dem Stahltiefdruck, auf Wertpapieren oder Banknoten ab. Der abgebildete Greif war beispielsweise für lange Zeit das Logo von Giesecke & Devrient. Bei den Drucktechniken wurde auch über einen großen Zeitraum und oftmals sogar bis Heute Guillochen verwendet, deren ineinander verwobene Muster schwierig nachzumachen sind. Anschließend folgt die Zeit der Kryptologie, die auf der Karte mit Zahlenreihen und Diagrammen symbolisiert ist. Die konsequente Weiterentwicklung und Integration vorgenannter Techniken ist die Chipkarte, deren Modul ganz rechts auf der Karte vorhanden ist.

Es war im übrigen gar nicht mal so leicht, dass Modul auf der rechten Seite der Karte zu platzieren. Ich bekam wiederholt Anrufe von der Fertigung, warum denn das Modul auf der verkehrten Seite wäre. Ich erklärte es und in nicht allzu langer Zeit erhielt ich den nächsten Anruf von jemand anderen, ob denn der Druck auf der Karte nicht verkehrt herum ist. Nach einigen Erläuterungen war dieses Thema aber dann bereinigt und die Karten mit dem Chip auf der falschen Seite wurden hergestellt. Ich möchte mich an dieser Stelle für die ganz fantastische Unterstützung der Kollegen bei der Herstellung der Karte bedanken. Meine Idee mit dem Chip auf der rechten Seite ist halt auch etwas unüblich.

Ein interessantes Detail im Rahmen des SmartCard-Preises muss ich hier noch kurz erwähnen. Einen Tag nach der Preisverleihung gab es natürlich die üblichen Pressemeldungen von denen eine versehentlich den Link zur Downloadseite der beiden Bücher enthielt. Da diese Meldung auch per Email verteilt wurde versuchten anschließend eine große Zahl von Interessierten die beiden Bücher herunterzuladen. Dies war natürlich nicht möglich, da das Mitgebsl nur an die Teilnehmer des SmartCard-Workshops verteilt worden war und nur mit dieser Chipkarte ein Zugriff auf die beiden betreffenden Buch-Dateien möglich ist. Allerdings führte der massive Ansturm dazu, dass der Server für einige Stunden in die Knie ging. Man muss jetzt dazu noch sagen, dass es sich dabei nicht um einen Wald-und-Wiesen-Server handelte, der irgendwo unter einem Schreibtisch verstaubt, sondern um ein professionelles System in einem Rechenzentrum! Wie man sieht gibt es einen ziemlich großen Bedarf an Chipkarten-Literatur.

Auf dem SmartCard-Workshop gab es viele interessante technische Vorträge, die sich angenehm von den oftmals wunderschön gestalteten Markting-PowerPoint-Folien ohne signifikanten Inhalt unterschieden. Sie können in einigen Monaten kostenlos von www.smartcardworkshop.de heruntergeladen werden. Unser Vortrag ist ebenfalls dabei, zum einen als Vortragstext und zum anderen als Präsentation, jeweils im PDF-Format.

Copyright © 2008 Wolfgang Rankl - created: 8. Februar 2008 - last modified: Saturday, July 26, 2008